Startschuss für „Operation Übernahme“

(ca) 1000 Azubis von sieben Ingolstädter Betrieben demonstrierten für mehr Gehalt und eine Übernahme nach der Ausbildung. Dabei waren die Töne beim Warnstreik der „Operation Übernahme“ scharf. „Die Tarifrunde geht jetzt erst richtig los. Mit so starken Azubis kann man nur gewinnen. Wir befinden uns im Arbeitskampf“, gibt sich Eric Leiderer, zweiter Bevollmächtigte der IG Metall Ingolstadt kämpferisch. Vor dem Haupteingang des Audi Bildungswesen in Ingolstadt sorgten die Auszubildenden von Audi, BO-Systems, Cassidian, Conti Temic, Cummins, MBD.A und Rieter mit Trillerpfeifen und Ratschen für mächtig Stimmung. Die Forderungen der IG-Metall sind dabei eindeutig formuliert. „Egal was noch in den Tarifrunden passiert, eins muss klar sein. Es kann für uns nur ein Ergebnis geben. Mehr Geld, unbefristete Übernahme und eine faire Regelung der Leiharbeit“, stellt Jürgen Wechsler, Bezirksleiter IG Metall Bayern, auf dem Podium klar.

 

Konkret fordert die IG Metall in den laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie 6,5 Prozent mehr Gehalt, eine Ausbildungsvergütung von 65 Euro, die Übernahme der Auszubildenden in ihren Betrieben und eine erweiterte Mitbestimmung der Betriebsräte bei der Leiharbeit. Derzeit bieten die Arbeitgeber für 14 Monate eine dreiprozentige Lohnerhöhung an. Bei der Übernahme der Auszubildenden sehen die Arbeitgeber keinen Handlungsbedarf.

 

„Ich will den Arbeitgebern eins auf den Weg geben. Es geht der IG-Metall nicht nur um die materiellen Verbesserungen, sondern auch um einen Kurswechsel für weniger prekäre Arbeitsbedingungen. Das gilt vor allem für das Thema Leiharbeit“, zeigte sich Jürgen Wechsler kämpferisch und ergänzte: „Ich will eine Zukunft in Deutschland gestalten, bei der junge Menschen keine Angst haben müssen einen Ausbildungsplatz zu bekommen und dann auch übernommen werden.“

 

 

Operation Übernahme“ geht erst richtig los

 

Bis Pfingsten will der Gewerkschaftsbund eine Lösung herbeiführen. Sollte es bis dahin keine Einigung geben, drohte der Bezirksleiter bereits mit einer Urabstimmung und im schlimmsten Fall mit einem flächendeckenden Arbeitskampf für ganz Bayern. „Bei der jetzigen Tarifrunde sind die Arbeitgeber nicht um eine schnelle Einigung bemüht. Die Arbeitgeber reagieren scheinbar nur auf Warnstreiks und Druck. Wenn sie Druck brauchen, können sie den haben“, zeigte sich der Vorsitzende des Ortsjugendausschusses IG Metall Ingolstadt Bernhard Stiedl gewillt.

 

Exemplarisch für die aufgebrachte Gemütslage der Auszubildenden ließ Lisa Törmer , Jugend- und Ausbildungsvertretung der Audi AG, ihrem Frust freien Lauf. „Lasst uns zeigen, dass mit uns nicht gut Kirschen essen. Wir gehen mit unseren Forderungen auf die Straße. Die Arbeitgeber sagen immer, dass die Jugend von heute die Zukunft von morgen ist. Doch sie geben ein Dreck drauf“, sagte die junge Frau und legte noch nach: „Wir sind super in der Tarifrunde aufgestellt. Macht noch einmal für eine gerechte Zukunft noch mal richtig Lärm.“

 

Schluss mit Märchen!

 

Auch für Julia Fischer, stellvertretende Jugend- und Ausbildungsvertreterin der IG Metall Ingolstadt des Cassidian Unternehmens sieht gar Vergleiche aus der Fabelwelt. „Erst gestern hatte ich ein Märchenbuch meiner Neffen und Nichten in der Hand, und als ich dort zu durchblätterte, erinnerten mich die Geschichten an die Aussagen der Arbeitgeber.“ Ihre Forderungen sind klar formuliert: „Gebt uns auch ein Stück von dem großen Kuchen. Wenn es einer verdient hat, dann wir Azubis. Wir wollen die 65 Euro und keinen Cent weniger.“ Entsprechend machte die junge Auszubildende ihren Mitstreitern Mut für einen langen Arbeitskampf. „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kämpfen sie noch heute!“, so Julia Fischer.


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