Petroplus stoppt die Produktion

(zel) Im vorläufigen Insolvenzverfahren von Petroplus gibt es zwei positive Nachrichten.

Erstens: Laut Insolvenzverwalter Michael Jaffé gibt es zahlreiche Investoren, die Interesse an der Ingolstädter Raffinerie sowie am Geschäftsbetrieb von Petroplus Deutschland haben. Zweitens: Obwohl die Raffinerie seit Donnerstag die Produktion schrittweise stoppt und damit weniger Fernwärme erzeugt, ist nach Angaben der Stadtwerke die Versorgung „auf jeden Fall gesichert“. Kein Kunde brauche sich Sorgen zu machen, dass er frieren muss. In dem von Petroplus als „optimierten Stand-by-Betrieb“ bezeichneten Status werde von der Raffinerie weiter Fernwärme produziert und ins Netz der Stadtwerke eingespeist, so Andreas Schmidt, Marketingleiter der Stadtwerke.

Die zur Verfügung stehende Menge werde zwar gegenüber dem Normalbetrieb der Raffinerie geringer sein. Durch die bestehenden Fernwärmequellen im Netz der Stadtwerke stehe aber genügend Abwärme für den derzeitigen Bedarf der Privat- und Gewerbekunden zur Verfügung. Nach dem Insolvenzantrag für die deutschen Tochtergesellschaften der schweizer Petroplus Holdings AG läuft derweil die Investorensuche auf Hochtouren. Das teilten Raffinerie- und Petroplus-Deutschland-Geschäftsführer Gerhard Fischer sowie der vorläufige Insolvenzverwalter, Michael Jaffé, mit. Parallel werde die Raffinerie in den „Warmhaltebetrieb“ versetzt, der die weitere Produktionsbereitschaft sichere. Die Anlagen könnten bei Bedarf binnen weniger Tage wieder voll hochgefahren werden. „Wir erhalten damit eine voll funktionsfähige Einheit“, so Fischer. Das sei ein wichtiges Argument für Gespräche mit potenziellen Investoren. Die Raffinerie werde zudem durch Wartungsarbeiten für den Investorenprozess vorbereitet.

Das Management und der vorläufige Insolvenzverwalter haben nach eigenen Angaben bereits „intensive Gespräche mit potenziellen Geldgebern sowie Kunden und Lieferanten“ geführt. Dabei habe sich gezeigt, „dass für die Raffinerie offensichtlich großes Interesse von Investoren aus allen Teilen der Welt besteht“. Qualifizierten potenziellen Bietern solle „sehr zeitnah die Möglichkeit gegeben werden, weiterführende Unterlagen einzusehen“. Die 420 Mitarbeiter der deutschen Petroplus-Gesellschaften erhalten bis Ende März Insolvenzgeld. „Möglichst alle Arbeitsplätze sollen dauerhaft erhalten bleiben“, heißt es. Betriebsratschef Dietmar Hengl unterstreicht die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich weiter voll für die Zukunft des Raffinerie-Standorts Ingolstadt einzusetzen: „Wir haben in der Vergangenheit einen guten Job gemacht und sind nur durch die Insolvenz unserer schweizer Muttergesellschaft unverschuldet in diese Situation gekommen“, sagt er. „Die Insolvenz gibt uns jetzt aber auch die Chance, hier wieder etwas Eigenständiges aufzubauen. Wir sind bereit, noch mehr denn je für unsere Arbeitsplätze und für die Zukunft der Raffinerie zu kämpfen.“ Der Stand-by-Betrieb müsse keinesfalls das Ende der Raffinerie bedeuten, betont Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Außerdem erklärte er: „Branchenexperten gehen davon aus, dass es in Bayern trotz des derzeit strengen Winters nicht zu Engpässen bei der Versorgung mit Raffinerieprodukten kommen wird.“ Die Preise im Freistaat könnten jedoch zeitweise höher sein als im Norden Deutschlands. „Solche Phasen hatten wir auch in den vergangenen Jahren immer wieder.“


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