Razzien überschatten "robustes Ergebnis"

(sr/bp) Ausgerechnet am Tag der Audi-Jahrespressekonferenz gab es in Ingolstadt und Neckarsulm in Firmen- und Privaträumen Razzien durch Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft. Prof. Rupert Stadler gab zu diesem brisanten Thema keine Details preis. Der Vorsitzende des Vorstands der Audi AG konzentrierte sich auf das Geschäftsjahr 2016, das eines der "herausfordernsten in der Geschichte von Audi" gewesen sei. Dennoch hat Audi "mit einem robusten Ergebnis aus dem Kerngeschäft abgeschlossen und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt". Konkret bedeutet das: Die Auslieferungen sind um 3,6 Prozent sowie die Umsatzerlöse auf 59,3 Mrd. Euro gestiegen. Die Operative Umsatzrendite vor Sondereinflüssen liegt mit 8,2 Prozent im Zielkorridor. Ebenfalls zukunftsweisend: Audi wird in den kommenden Jahren das Produkt- und Technologieportfolio deutlich verjüngen, auf Elektroautos setzen, assistierte und pilotierte Systeme weiter entwickeln und neue digitale Geschäftsfelder erschließen.

Im Geschäftsjahr 2016 erhöhte Audi seine weltweiten Auslieferungen um 3,6 Prozent auf die neue Bestmarke von 1.867.738 (2015: 1.803.246) Automobilen. Dabei
profitierten die Verkäufe vor allem von der hohen Nachfrage nach den Modellen Audi Q7 und A4.

Die Umsatzerlöse des Audi-Konzerns stiegen im gleichen Zeitraum – trotz eines für Audi ungünstigen Währungsumfeldes – um 1,5 Prozent auf 59.317 (2015: 58.420) Mio. Euro. „Die Qualität unseres laufenden Geschäfts zeigt sich in der Operativen Umsatzrendite vor Sondereinflüssen“, sagt Axel Strotbek, Vorstand Finanz und IT der Audi AG. „Hier liegen wir mit 8,2 Prozent trotz herausfordernder Rahmenbedingungen und hoher Vorleistungen in unserem Zielkorridor von 8 bis 10 Prozent.“ Im Vorjahr lag der Wert bei 8,8 Prozent. Das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen beträgt für 2016 4.846 (2015: 5.134) Mio. Euro.

Als Sondereinfluss weist der Audi-Konzern 2016 gebildete Rückstellungen in Höhe von 1.632 (2015: 228) Mio. Euro zur Lösung der V6 3.0 TDI-Dieselthematik in den USA aus. Hinzu kommen Sondereinflüsse in Höhe von 162 (2015: 70) Mio. Euro im Zusammenhang mit möglicherweise fehlerhaften Takata-Airbags. Unter dem Strich beträgt das Operative Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres 3.052 (2015: 4.836) Mio. Euro, die Operative Umsatzrendite liegt bei 5,1 (2015: 8,3) Prozent.

Vor Steuern erwirtschaftete der Audi-Konzern ein Ergebnis von 3.047 (2015: 5.284) Mio. Euro. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist neben den Sondereinflüssen vor allem auf ein niedrigeres Finanzergebnis zurückzuführen.

Erfreulich für die Mitarbeiter: Auch in diesem Jahr beteiligt die Audi AG die Belegschaft am Unternehmenserfolg. In Abstimmung mit dem Gesamtbetriebsrat erhalten die Tarifmitarbeiter an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm den attraktiven Bonus von durchschnittlich 3.510 (2015: 5.420) Euro. In Audi-Tochtergesellschaften gibt es entsprechende Regelungen zu Erfolgsbeteiligungen.

Unter dem Namen „Audi.Zukunft.“ will die Audi AG eine weitreichende Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung abschließen. „bis ins nächste Jahrzehnt hinein. Wir stellen weiter gezielt ein. Die Zahl unserer Auszubildenden haben wir angehoben - 2016 um zehn Prozent“, so Rupert Stadler.   

Vorleistungen für die Zukunft finanziert der Audi-Konzern aus eigener Kraft. 2016 tätigte das Unternehmen Sachinvestitionen in Höhe von 3,4 (2015: 3,5) Mrd. Euro und erzielte gleichzeitig einen deutlich positiven Netto-Cashflow von 2,1 (2015: 1,6) Mrd. Euro. Die Netto-Liquidität belief sich am 31. Dezember 2016 auf 17,2 (2015: 16,4) Mrd. Euro – ein weiterer Beleg für die hohe Selbstfinanzierungskraft des Unternehmens.

Axel Strotbek, Mitglied des Vorstands der Audi AG, Finanz und IT, fasste zusammen: „Wir haben 2016 trotz schwieriger Rahmenbedingungen und in einer strategischen Investitionsphase ein solides Ergebnis erzielt. Auch unsere beiden italienischen Marken Lamborghini und Ducati haben 2016 überzeugt, mit weiterem Wachstum und positiven Wertbeiträgen für unser Konzernergebnis.“

Wie Rupert Stadler betonte, war der mit Abstand größte Sondereinfluss das Thema Diesel. „Es hat deutliche Spuren bei uns hinterlassen – sowohl finanziell als auch in Bezug auf Management Attention“, so der Vorstandsvorsitzende. Als Konsequenz aus der Diesel-Affäre werde bei Audi alles auf den Prüfstand gestellt. So werde unter anderem eine neue, erweiterte Compliance-Struktur mit neuen Berichts- und Kontrollsystemen etabliert. Neu in der Organisation der Technischen Entwicklung sei, dass die Produktentwicklung streng von Homologation und Zulassung getrennt werde. Eine neue Abteilung für Konformität beim Zulassungsverfahren in den Märkten soll dazu eingerichtet werden. Die künftigen Abläufe werden dann zusammen mit Dr. Peter Mertens gestaltet. Der Entwicklungsvorstand wird ab 01. Mai 2017 seine neue Aufgabe übernehmen.    

Audi hat im Jahr 2016 weltweit mehr als 20 neue oder überarbeitete Audi-Modelle auf den Markt gebracht. Bei den Produktionszahlen gegenüber dem Vorjahr besonders erfolgreich waren Q2, Q3, Q5, Q7 sowie A4 Avant, aber auch der R8 Coupé und der R8 Spyder. Das volumenstärkste Q-Modell, der Audi Q5, wurde 2016 neu aufgelegt. Erstmals entsteht außerhalb des europäischen Kontinents ein Modell für den Weltmarkt – in San José Chiapa in Mexika.    


Im Fragenteil der Pressekonferenz wollten mehrere Journalisten zu den Razzien in Ingolstadt und Neckarsulm in Geschäftsräumen und Privatwohnungen Details wissen.  Rupert Stadler hielt sich jedoch bedeckt. Der Vorstandsvorsitzende gab dazu lediglich folgende Auskünfte auf diverse Fragen:

"Ich kommentiere die Untersuchungen nicht. Ich kann mich nicht zu laufenden Untersuchungen äußern, möchte aber bei der Aufklärung voll umfänglich kooperieren."  

"Wir kooperieren voll umfänglich mit den Behörden. Das ist unser eigenes Kerninteresse. Wenn es etwas zu berichten gibt, werden wir darüber berichten."

"Ich habe noch keinen Besuch zuhause gesehen. Ich bin aber heute auch seit 07.30 Uhr in der Arbeit. Meine Frau hat mich noch nicht angerufen."

"Ich bin heute morgen im Büro darüber informiert worden, dass Kollegen im Haus sind."

Darüber hinaus machte Stadler keine weiteren Aussagen zum Thema Razzien. Der Wortlaut der Auskünfte war offensichtlich vor der Jahrespressekonferenz abgesprochen. Denn zu Beginn der Pressekonferenz sagte auch Toni Melfi, Leiter Audi Kommunikation, zu den Razzien in Ingolstadt und Neckarsulm: "Wir kooperieren voll umfänglich. Wir haben das größte Interesse an der Aufklärung.“

Dafür äußerte sich Rupert Stadler voll umfänglich zu Audi auf dem Weg ins Jahr 2025. Dabei nannte der Vorstandsvorsitzende vier wichtige Themen:

- Das Produktprogramm wird aufgefächert und verjüngt. Fünf Kernbaureihen werden bis Mitte 2018 erneuert, zwei neue Q-Modelle herausgebracht.
- Produkt und Produktion werden digitalisiert: „Wir generieren Mehrwert auf unserer digitalen Plattform und treiben mit der Smart Factory unsere Vision einer vernetzten Fertigung voran“, so Stadler.
- Nachhaltige Angebote für die Mobilität der Zukunft werden geschaffen. Der Audi e-tron mit schlüssigen Ladekonzepten sowie weitere Elektroautos sind in Planung. Eine starke g-tron-Familie mit innovativen Kraftstoffen wird entwickelt, bis 2015 sollen Mild-Hybride zu den Kernbaureihen gehören. Ein neues Regelwerk für nachhaltige Lieferbeziehungen soll etabliert werden.
- Audi will Know-how und Technologien als Antwort auf den Mega-Trend Urbanisierung einsetzen: von attraktiven Angeboten für Mobilität in der Stadt der Zukunft über die Technologie des pilotierten Fahrens bis hin zur Gründung der Autonomous Intelligent Driving Gmbh.

Damit stelle sich Audi maximal zukunftsorientiert auf. Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Stadler allerdings „vorsichtig optimistisch“. „Die Diesel-Krise ist noch nicht überwunden und bindet Kapazität, aber neue Produkte und Technologien sind im Anmarsch“, so der Vorstandsvorsitzende. Der Audi-Chef bezeichnete die Diesel-Krise als „schlimmste Disruption aller Zeiten“. Aber Audi werde sich „neu erfinden“. Dies funktioniere, indem man vom Kunden aus denke, die richtigen Produkte anbiete und Mut für eine weitreichende Transfomation habe. „Uns ist um die Zukunft nicht bang. Die Köcher sind voll. Wir werden weiter Gas geben“, so Stadler optimistisch.  

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Fotos: Sabine Roelen

 

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