Wer ist Schuld am kranken Mops?

(bp) Während die Welt auf die Audi-Razzia blickt, geht in Ingolstadt ein tierischer Prozess weiter.

Vor dem Landgericht geht es derzeit um Mopshündin "Ronja" und ihre Krankheiten. Dazu heißt es in der Pressemitteilung des Landgerichts:

In diesem Verfahren ist eine Mopszüchterin vom Kläger, dem Käufer einer ihrer Welpen, zum einen auf Kaufpreisminderung von 75% (der Kaufpreis betrug 1.400.-€) und zum anderen auf Schadensersatz wegen aufgelaufener Tierarztkosten in Höhe von 5.487,78 € verklagt worden.

Am Mittwoch fand vor dem zuständigen Einzelrichter ein Termin zur Anhörung der Sachverständigen, der Veterinärmedizinerin Fr. Dr. Marion Link, statt.

Die Sachverständige hatte bereits ein schriftliches Gutachten erstattet, das den Parteien schon übersandt worden war und zu dem sie im Termin Fragen stellen konnten.

Ausgangspunkt des Gutachtensauftrages war es, Aussagen dazu zu treffen, ob die am 02.04.2012 geborene „Ronja“ tatsächlich unter Gehirnödemen, epileptischen Anfällen und einem Hydrocephalus leiden würde. Die Gutachterin sollte auch Stellung zur Behauptung des Klägers beziehen, dass ein zwischenzeitlich durchgeführter DNA-Test das Vorliegen eines Hochrisikofaktors für die Entwicklung der nekrotisierenden Meningoencephalitis (erbliche Autoimmunerkrankung mit entzündlichen Veränderungen des zentralen Nervensystems) gezeigt habe.

Das Vorliegen sämtlicher Erkrankungen wurde von der Gutachterin bestätigt.

Grundsätzlich sah der Richter damit die Voraussetzungen für eine Kaufpreisminderung für gegeben an. Bei einer erblichen Erkrankung müsse eine Krankheit der Mopshündin nämlich zwanglos schon zum Zeitpunkt des Abschlusses des Kaufvertrags und der Übergabe der Hündin an den Kläger vorhanden gewesen sein. Das Tier sei daher von Anfang an mangelhaft gewesen. Obwohl Tiere nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§90a BGB) keine Sachen im Sinne des Gesetzes mehr sind, gelten für sie doch die ganz normalen Vorschriften des Kaufvertragsrechts.

Bezüglich der Tierarztkosten verwies der Richter darauf, dass diese als Schadensersatz nur dann von der Züchterin zu zahlen wären, wenn sie Kenntnis von den Krankheiten hatte oder hätte haben müssen. Auch hierzu wurde die Sachverständige befragt. Sie gab an, dass die Erkrankungen bei Ronja zum Zeitpunkt der Übergabe noch nicht nach außen hin erkennbar gewesen seien.

Erst durch die durchgeführten Untersuchungen, insbesondere den DNA-Test ist festgestellt worden, dass Ronja ein homozygoter Träger ( ein solches Tier trägt sogar zwei Kopien des mutierten Gens) der nekrotisierenden Meningoencephalitis gewesen ist. Die Elterntiere müssten also bereits Träger des mutierten Gens gewesen sein. 11 % aller Möpse seien homozygote Träger und bei 12,5% dieser Tiere würde die Krankheit auch ausbrechen.

Allerdings habe es zum damaligen Zeitpunkt in Deutschland noch keinen entsprechenden DNA-Test gegeben. Die Sachverständige bestätigte zwar den Einwurf des Klägervertreters, dass es diese Möglichkeit seit Anfang 2010 in den Vereinigten Staaten gegeben habe. Allerdings sei es damals zumindest nicht üblich gewesen, die dafür notwendige Blutprobe in die USA zu verschicken.

Es gebe in der Fachliteratur auch keine Hinweise darauf, dass durch das unstreitig zu frühe und zu häufige Decken des Muttertiers eine solche genetische Veränderung – wie auch die anderen Krankheiten, unter denen Ronja leide, ausgelöst werden können.

Der erkennende Richter gab sodann seine vorläufige Rechtauffassung bekannt, wonach es der Beklagten wohl gelungen sei nachzuweisen, dass sie die Erkrankungen der Ronja nicht zu vertreten habe, sie daran also kein Verschulden träfe. Für den begehrten Ersatz der Tierarztkosten könnte es damit schwierig werden.

Der Richter schlug deswegen einen Vergleich vor, wonach die Züchterin die Hälfte des Kaufpreis, also 700.-€ zurückzahlen solle. Dies wurde von der Klagepartei abgelehnt.

Sowohl der Kläger als auch die Beklagte haben nun noch einmal Zeit, hierzu schriftlich Stellung zu nehmen. Termin zur Verkündung einer Entscheidung wurde auf den 31. Mai 2017, 10.00h, bestimmt.

 

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