Abstiegsgespenst vs. #1bleiben

(sk) Die nächsten Spiele entscheiden über die Zukunft des FC Ingolstadt 04.

Elf Spiele müssen die Schanzer noch absolvieren, dann steht endgültig fest, ob sie das Saisonziel – nämlich den Klassenerhalt – erreicht haben. Trotz einer beeindruckenden (Punkte-)Aufholjagd stehen die Ingolstädter nach wie vor auf Rang 17 der Tabelle und damit auf einem direkten Abstiegsplatz. Fünf Zähler ist der Relegationsplatz inzwischen entfernt, dennoch träumen Verein, Mannschaft und Fans natürlich weiterhin von Liga 1, nicht umsonst heißt der aktuelle Slogan #1bleiben. Also haben wir mal überlegt, was für und was gegen den Klassenerhalt spricht.

Pro

Der Motivator

Wäre die Saison erst mit Trainingsübernahme von Maik Walpurgis losgegangen, würde der FCI auf Platz 13 der Tabelle, sogar punktgleich mit Platz 12 liegen. Vielleicht kann der Rotschopf den Schanzern auch weiterhin so viel Selbstbewusstsein einflüstern, dass es doch noch zum Klassenerhalt reicht.

Erstligatauglich

Auch wenn der Tabellenplatz es nicht vermuten lässt, die Schanzer können in der ersten Liga mithalten. Man hat den damaligen Tabellenersten Red Bull Leipzig geschlagen, gegen die Spitzenclubs aus Dortmund und München sahen die Ingolstädter gut aus, alle Niederlagen (seit dem Trainerwechsel) waren eng und oftmals unglücklich – Zeit, dass die Glücksfee mal auf die Schanzer Seite wechselt!

Magische Grenze

Die ominösen „40 Punkte zum Klassenerhalt“ sind längst überholt. Für den Relegationsplatz reichten dem HSV in der Saison 2013/14 nur 27(!) Punkte, der VfB Stuttgart hatte damals mit 32 Punkten den Klassenerhalt sogar direkt geschafft. Momentan haben der HSV, Wolfsburg und Bremen nur fünf bzw. sieben Punkte Vorsprung, dabei treten die Schanzer gegen die beiden letzteren noch an, könnten ihnen also noch Punkte abnehmen.

Teamspirit

Der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen. Und bei den Schanzern glauben nicht nur Mannschaft und Trainer, sondern das komplette Team einschließlich Verein und Fans an den Verbleib in Liga 1. So viel Rückhalt kann dann vielleicht auch den FC Ingolstadt 04 versetzen – nämlich auf einen der ungefährdeten Tabellenplätze.

Moral und Selbstvertrauen

„Wir geben immer alles!“, beteuern Spieler und Coach regelmäßig vor und nach den Begegnungen. Seit Maik Walpurgis der Mann an der Seitenlinie ist, war das tatsächlich fast immer der Fall. Die Einstellung der Schanzer stimmt, es wird bis zum Umfallen gefightet, diese Moral wird schlussendlich hoffentlich auch belohnt.

Contra

Punktejagd

Durchschnittlich 36 Punkte braucht man seit Einführung der 3-Punkte-Regel dennoch zum Klassenerhalt, d. h. die Schanzer müssten derzeit nochmal 18 Punkte einfahren, also 6 Siege oder dementsprechend mehr Unentschieden aus 11 Spielen – angesichts des Restprogramms theoretisch zwar machbar, aber eher utopisch.  

Torflaute

Spiele kann man nur gewinnen, wenn man mehr Tore als der Gegner schießt. Genau das ist aber das Schanzer Problem: In neun Spielen haben sie gar keines, in sechs Spielen zu wenig Tore erzielt, macht zusammen 15 Niederlagen. Da hilft es auch nichts, wenn man sich „eigentlich“ mit dem Gegner auf Augenhöhe befindet.

Trainerwechsel

Der FC Ingolstadt hat zu spät die Reißleine gezogen. Unter Markus Kauczinski haben die Schanzer nur zwei Punkte aus zehn Spielen geholt. Viel zu wenig! Mit diesem Stand ist bislang jede Mannschaft aus der Bundesliga abgestiegen. Zweifelhaft, ob die Ingolstädter hier „Geschichte neu schreiben“.

Nicht abgeklärt

Mal in der zweiten Minute, mal mit dem Schlusspfiff oder in der Nachspielzeit – immer wieder kassierte der FC Ingolstadt 04 zu diesen „Unzeiten“ spielentscheidende Tore.  Punktgenaue Konzentration, Souveränität oder einfach Cleverness fehlen den Schanzern hier zur Spitzenmannschaft – um am Ende meistens auch die Punkte.

Keine Verstärkung

Zum Saisonbeginn und auch zur Winterpause hat der FCI versäumt, eine offensive Verstärkung zu verpflichten. Dass neue Spieler „zur Mannschaft passen“ sollen, ist löblich, dass man sich Superstars nicht leisten kann, verständlich. Zwar haben von den Neuzugängen Martin Hansen, Florent Hadergjonaj und Marcel Tisserand überzeugt, doch sie sind allesamt Defensiv-Spieler. Auf einen „Knipser“ warten die Fans noch immer.

Foto: Jürgen Meyer

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