Das war zu wenig!

(sk) Mit dem Aus in der ersten Runde der Play-offs beendet der ERC Ingolstadt eine verkorkste Saison.

Nach der Meisterschaft 2014 und dem Vizemeistertitel 2015 sind die Panther heuer – genau wie in der vergangenen Saison – bereits in der ersten Runde der Play-offs ausgeschieden. Enttäuschung pur für die Fans, die sich weit mehr erhofft hatten. Immerhin belegten die Ingolstädter zum Ende der Hauptrunde Platz 7, das von Chefcoach Tommy Samuelsson ausgegebene Ziel „Erreichen der direkten Play-off-Plätze“, also die ersten sechs, wurde nur um einen Platz verfehlt. Zudem garantierte Rang 7 das Heimrecht für die Panther, alles in allem also gute Voraussetzungen für das Weiterkommen ins Viertelfinale. 

Doch weit gefehlt: Nicht nur das Heimspiel gegen den Tabellenzehnten, den Liganeuling Fischtown Pinguins, ging verloren, auch das zweite Match, diesmal auswärts in Bremerhaven, verloren die Panther und verabschiedeten sich damit in die Sommerpause. 

Analyse und Fehlersuche

Nun muss man beim ERC Ingolstadt nach den Gründen und Fehlern suchen, die die zweite verkorkste Saison verursacht haben. Muss nun Jiri Ehrenberger, Sportdirektor des Vereins und für die Fans ohnehin ein rotes Tuch, wie die regelmäßig wiederkehrenden „Ehrenberger raus!“-Rufe zeigen, seinen Hut nehmen? Wird man sich von Spielern trennen – auch wenn deren Verträge noch nicht auslaufen? Oder sucht man gar für Chef-Coach Tommy Samuelsson einen Ersatz, obwohl dieser erst im Dezember seinen Vertrag verlängert hat? Spekulationen, denen jedoch bald auch Taten folgen werden, denn eines ist klar: Es muss sich etwas verändern, der Verein muss handeln. Eine weitere derart enttäuschende Saison wird sich der ERC nicht leisten können, zu groß wäre nicht nur der finanzielle, sondern auch der Image-Schaden. Die Zuschauerzahlen gehen bereits drastisch zurück, dass das Heimspiel in der ersten Play-off-Runde nicht ausverkauft war, spricht für sich.

Wir haben nach Meinungen, Gründen und Konsequenzen gefragt.

 

Georg Niedermeier, Stadtrat BGI und bekennender ERC-Fan:

„Das frühe Ausscheiden schmerzt den treuen Fan besonders - immerhin habe ich kaum ein Spiel versäumt - da immer wieder ein sehr wechselhaftes Mannschaftsverhalten gezeigt wurde. Man hatte nie den Eindruck, dass die Mannschaft stabil und fähig ist, über einen längeren Zeitraum Leistung zu bringen.

Immer wieder bewahrheitet sich der Spruch: Der Sturm gewinnt Spiele, die Verteidigung Meisterschaften. Die vielen Gegentore zeigen ganz deutlich, dass von Pielmeier (zu viele Fangfehler) angefangen, über die zum Teil überalterten (Köppchen), außer Form spielenden (Kohl, Schopper) und überschätzten Verteidiger (Salcido) die gesamte Mannschaft es am Verteidigungswillen fehlen ließ. Oft genug wurde vom Gegner ein Spiel gedreht, weil man viele Chancen nicht nutzte bzw. zu nachlässig agierte.

Es muss ein umfassender Umbruch stattfinden, von Teilen der Mannschaft angefangen, über den Trainer - die Mannschaft hatte konditionelle Probleme - bis zu der Führung, wobei ich den Sportdirektor nicht ausnehme. Nicht alle Verpflichtungen haben die Erwartungen erfüllt. Es muss auch über die langfristigen Verträge, z. B. von Pielmeier und Buck, gesprochen werden. Sicherlich kann es auch mal eine schlechtere Saison geben, aber man hatte den Eindruck, dass es seit dem Gewinn der Meisterschaft stetig bergab geht. Als echter Fan werde ich mir aber auch für die nächste Saison eine Dauerkarte besorgen.“

 

Petra Vogl, Fanbeauftragte des ERC Ingolstadt und Fan der ersten Stunde:

„Ich bin schon ziemlich enttäuscht, dass wir zum zweiten Mal in den Pre-Play-Offs gescheitert sind. In der schönsten Eishockeyzeit des Jahres sind die Panther nicht dabei...Platz 6 wurde auch um 13 Punkte verpasst, somit kann man nicht wirklich zufrieden sein. Ich denke es lag daran, dass zu viele Punkte auf der Strecke blieben, unser eh schon zu dünn besetzter Kader wurde zusätzlich noch durch Verletzungen geschwächt. Das Team musste lange Zeit mit 3 Reihen spielen. Das zehrt an den Kräften. Die Nachverpflichtungen kamen meiner Meinung nach zu spät - und richtig weiterhelfen konnte uns von ihnen auch keiner mehr. Zudem erhielten die Förderlizenzspieler zu wenig Eiszeit. Die Frage nach den Konsequenzen ist schwer, ich kann sie kaum beantworten. Es muss alles genau analysiert werden, die gesamte sportliche Leitung blieb hinter den Erwartungen zurück. Man muss hinterfragen, ob die Wahl der Neuverpflichtungen dem Team etwas brachte, ob das Fitness-Level ausreichend war und ob der Trainer wichtige Akzente setzen konnte, die die Mannschaft auch umsetzen kann.“

 

Jürgen Arnold, Beiratsvorsitzender:

„Mit dem frühen Ausscheiden des ERC habe ich überhaupt nicht gerechnet, weil unsere Ziele deutlich höher gesteckt waren. Die Enttäuschung und der Schock sitzen immer noch tief. Ich denke die Gründe für das vorzeitige Saisonende sind vielfältig und man muss erst mal alles analysieren. Wenn man aber einen Hauptgrund festmachen will, dann waren wohl zu viele Spieler nicht bereit, sich für den Erfolg des Teams zu opfern, und das ist nun mal bei einer Mannschaftssportart unerlässlich. Ich denke auch, der Schnitt und die Maßnahmen nach dem Ausscheiden in den Preplayoffs gegen Straubing im letzten Jahr waren nicht konsequent genug. Das wird uns so heuer nicht mehr passieren.“

Klare Worte, die vermuten lassen, dass wohl einige Köpfe rollen werden. Wen es trifft, dürfte, wie unsere Zeitung erfahren hat, bereits in der morgen angesetzten Pressekonferenz verkündet werden. Immer aktuell informiert bleiben Sie bei uns: http://blickpunkt-ingolstadt.de - hier erfahren Sie sofort, wenn sich die Situation beim ERCI verändert! 

Fotos: Bösl, BGI, Kaczynski, Jürgen Meyer

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