"der ganz große Coup fehlt: der Aufstieg!“

(pr) Jahr für Jahr wird das Sport-Team aus Kraiberg in der Kreisliga zu den Aufstiegsfavoriten gezählt – und auch die Kraiberger Mannschaft hat stets das Ziel, ganz vorne zu landen. Doch bislang scheiterte die Elf um Spielertrainer Denis Dinulovic stets, meist denkbar knapp. Auch in diesem Jahr wird es wohl bis zum Saisonende ein spannendes Rennen um die Aufstiegsplätze geben. Die Kraiberger liegen derzeit auf Platz fünf, mit zwei Punkten Rückstand auf Rang zwei, der zur Relegation berechtigt. Der Wille, in diesem Jahr aufsteigen zu wollen, sei zwar nach wie vor ungebrochen, verrät Dinulovic im Interview, realistische Chancen rechne sich der 34-jährige Stürmer aber nicht aus.


Herr Dinulovic, Ihr Programm nach der Winterpause hat es wirklich in sich. In den kommenden beiden Partien geht es gegen die beiden Erstplatzierten Baar-Ebenhausen und Oberhaunstadt, zum Auftakt vor zwei Wochen haben Sie gegen den Tabellendritten Scheyern mit 0:2 verloren und am vergangenen Spieltag konnten Sie nun Türkisch Ingolstadt mit 4:1 schlagen. Wie erklären Sie sich die beiden unterschiedlichen Auftritte Ihrer Mannschaft?
Denis Dinulovic: Unsere Situation ist derzeit nicht einfach. Wir haben einige Personalsorgen, können nicht aus dem Vollen schöpfen. Daran haben wir sehr zu nagen. Beim letzten Vorbereitungsspiel gegen Großmehring zum Beispiel waren wir genau elf Mann, hatten also keinen einzigen Auswechselspieler. Wobei man auch klar sagen muss: Gegen Scheyern lief einfach alles schief! Das war nicht unser Tag und kommt schon einmal vor. Trotzdem nagt die Niederlage noch heute an mir. Der Sieg gegen die Türken war dann wichtig, aber ich würde ihn nicht überbewerten. Bei denen findet ganz offensichtlich ein Umbruch statt. Es haben viele junge Spieler gespielt. Nach den beiden nächsten Spielen gegen Baar-Ebenhausen und Oberhaunstadt werden wir dann sicherlich wissen, wo der Weg hingeht. Am Saisonende spielen wir gegen die vermeintlich schwächeren Teams der Liga. Es ist also durchaus noch möglich, ganz nach vorne zu kommen. Stand heute können wir aber leider nicht oben angreifen. Dafür ist unsere derzeitige Situation zu schwierig.
 
Der Aufstieg ist als nicht mehr Ihr Ziel?
Dinulovic: Natürlich wollen wir nach wie vor am Ende ganz oben stehen. Aber wir müssen auch realistisch sein. Wenn wir die nächs-ten beiden Partien gut überstehen und dann noch der ein oder andere Verletzte zurückkommt, sieht es jedoch schon wieder ganz anders aus. Der Abstand zu den Aufstiegsplätzen ist ja noch nicht sehr groß. Es gibt aber sicherlich aktuell Mannschaften, deren Voraussetzungen für den Aufstiegskampf besser sind als unsere.

 Am Sonntag spielen Sie gegen den Tabellenführer TSV Baar-Ebenhausen, der sechs Punkte vor Ihnen liegt. Um noch realistische Chancen auf Platz eins zu haben, müssen Sie da schon unbedingt gewinnen, oder?
Dinulovic: Ich gucke nicht gezielt auf irgendwelche Tabellenplätze. Fakt ist, dass wir den Abstand nicht zu groß werden lassen wollen. Wir spielen zuhause gegen Baar-Ebenhausen und haben die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel noch gutzumachen. Zuhause gegen den aktuellen Primus der Liga sind ohnehin alle sehr motiviert. Eigentlich gibt es nichts schöneres. Ich hoffe deshalb natürlich schon, dass wir das Ganze positiv gestalten können. Und als STK haben wir immer die Qualität, den Gegner zu schlagen.
 
Für viele ist es nach wie vor absolut überraschend, wie stark sich Baar-Ebenhausen als Aufsteiger in der Liga präsentiert. Schätzen Sie Baar-Ebenhausen so stark ein, wie es die Tabelle aussagt?
Dinulovic: Die Tabelle lügt nicht! Es ist jetzt nicht mehr der zweite Spieltag oder so, die Saison neigt sich dem Ende entgegen und Baar-Ebenhausen zeigt sich enorm konstant. Die Mannschaft hat zwei, drei wirklich starke Spieler und auch einige junge, noch sehr hungrige Spieler in ihren Reihen – das ist ein ganz entscheidender Vorteil. Noch dazu kommt, dass sie derzeit einen wirklichen Lauf haben. Da klappt dann alles. Das Tor zum 2:1 gegen Gaimersheim sollen sie in der 92. Minute durch einen direkten Eckball geschossen haben – da kommt dann eben auch Glück dazu.

Es kämpfen mit Baar-Ebenhausen, Oberhaunstadt, Scheyern, Kraiberg, Hepberg und Türkisch sechs Mannschaften um den Aufstieg. Wer kann sich Ihrer Meinung nach am Ende durchsetzen?
Dinulovic: Das ist wirklich schwer zu sagen. Baar-Ebenhausen hat natürlich einen kleinen Vorsprung und dadurch die bes-ten Karten. Oberhaunstadt habe ich sehr konstant und stark eingeschätzt, hat am Montag aber gegen Eichstätt II auch verloren. Die spielstärkste Mannschaft dürfte auf jeden Fall Hepberg haben. Man muss sich nur deren Spieler ansehen: Lushi, Smoljic, Stengler, Schneider und Anikin. Das ist Qualität, die sogar in der Bezirksliga ihresgleichen sucht. Ebenhausen und Oberhaunstadt kommen hingegen eher über das Team als über die Einzelspieler. Ich tippe auf Oberhaunstadt. Falls Ebenhausen aber am Sonntag gegen uns gewinnen sollte, dann hätten sie einen wirklich großen Schritt gemacht. Das wollen wir aber natürlich verhindern.
 
Was spricht denn für Ihr Team im Kampf um den Aufstieg?
Dinulovic: Wir haben von den Namen her auch eine wirklich gute Truppe mit vielen erfahrenen Spielern, die schon höherklassig gespielt haben. Qualität ist also auf jeden Fall vorhanden. Wenn wir die von Woche zu Woche abrufen können, ist es für jeden Gegner unangenehmen, gegen uns zu spielen. Bislang sind wir aber nicht konstant genug. Das liegt natürlich auch an unseren Personalsorgen.
 
 Vorhin sagten Sie, dass Baar-Ebenhausen viele junge und hungrige Spieler hätte, was ein großer Vorteil sei. In Ihrer Mannschaft hingegen gibt es viele gestandene, aber auch ältere Spieler. Fehlt Ihrem Team also der letzte Wille im Aufstiegskampf?
Dinulovic: Natürlich betreibt der ein oder andere ein bisschen weniger Aufwand, wenn er in eine untere Liga wechselt. Es kann also durchaus sein, dass nicht alle auf hundert Prozent kommen. Junge Spieler, die frisch aus der A-Jugend kommen, sind natürlich deutlich hungriger als Spieler, die von einem höherklassigen Verein kommen. Auf der anderen Seite ist unsere Erfahrung aber auch unsere große Stärke. Und als Fußballer, egal ob jung oder alt, verliert man nicht gerne.

 Sie haben alleine 17 der 35 Kraiberger Tore erzielt, waren also an rund 50 Prozent der Treffer Ihrer Mannschaft als Schütze beteiligt. Mit Ihren Torvorlagen, die nicht aufgezeichnet sind, dürfte der Wert Ihrer direkten Torbeteiligungen auf mindestens 70 Prozent ansteigen – ein Wahnsinns-Wert! Aber ist Ihr Team nicht zu abhängig von Ihnen und dadurch auch zu leicht ausrechenbar?
Dinulovic: Das heißt es immer. Aber auch ich muss meine Bälle bekommen, um Tore zu schießen oder vorzubereiten - ich gehe ja nicht vom eigenen „Sechzehner“ alleine bis zum anderen Tor durch. Ich bin also von meinen Mitspielern abhängig. Das funktioniert bislang ganz gut. Jeder hat seine Aufgabe bei uns, und meine ist es eben, Tore zu schießen oder den Ball abzulegen. Also ist es am Ende immer der Verdienst der ganzen Mannschaft.
 
Wie lange wollen Sie noch auf Torejagd gehen?
Dinulovic: Darüber macht man sich natürlich jedes Jahr Gedanken. Ich werde heuer 35 Jahre alt. Da muss man auch auf seinen Körper hören. Noch klappt es mit dem Toreschießen aber ganz gut, deshalb denke ich jetzt noch nicht darüber nach aufzuhören. Mein Ziel bleibt es weiterhin, mit Kraiberg aufzusteigen. Dazu muss in diesem Jahr mindestens der zweite Platz her. Der Verein und ich haben uns bereits verständigt, auch im nächsten Jahr wieder zusammenzuarbeiten. Das wird dann die sechste Saison, in der ich Trainer in Kraiberg bin. Der Verein weiß, was er an mir hat und ich fühle mich hier sehr wohl, mit einem tollen Führungsstab um mich herum, allen voran Sternisa und Plei. Es ist rundum eine tolle Sache. Jetzt fehlt nur noch der ganz große Coup für uns, der Aufstieg in die Bezirksliga.

Foto: Jürgen Meyer

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