Mehr als ein Fluss

(hk)  Ingolstadt und die Donau – wie kann man beide einander näher bringen? Das untersuchte ein renommiertes Architekturbüro. Harvard-Professorin Silvia Benedito präsentiert „Stadtpark-Donau“.

 

Sie wurde mit Spannung erwartet, die Studie des Architekturbüros Oficinaa. Silvia Benedito, Professorin an der weltbekannten Harvard-University und ihr Ingolstädter Ehemann Alexander Häusler sowie Studenten aus Cambridge (USA) haben zehn Wochen lang über die Donau nachgedacht. Sie haben den Abschnitt zwischen der Staustufe und dem ehemaligen Bayernoilgelände unter die Lupe genommen und ein Konzept für den Flusslauf erstellt. Am Mittwoch wurde es Oberbürgermeister Alfred Lehmann, Bürgermeister Sepp Mißlbeck und Vertretern der Verwaltung und der Bundeswehr präsentiert.

 

Wenn man auf der Terrasse des Stadttheaters sitzt und zur Donau schaut, dann ist der Fluss im Grunde weit weg“ das war nicht nur die Meinung von Alfred Lehmann. Will man die Donau wirklich erleben, das ist eines der Ergebnisse der Studie, dann muss man viel dichter an den Fluss heran. In der Vergangenheit standen die Ingolstädter viel näher am Wasser; das ist auf alten Fotos gut erkennbar. Und was besonders erstaunlich ist: Die zahlreichen Ansichten aus früheren Jahrhunderten zeigen die Stadt fast immer mit der Donau im Vordergrund. Hinter dem Fluss sieht man die Silhouette der Stadt. Vom gleichen Standpunkt, von dem aus früher Bilder gemalt wurden, darauf wies Sivia Benedito hin, sieht man heute von der Stadt fast nichts mehr. Nur das Schloss und die Türme des Münsters überragen eine dichte Baumkette am Nordufer. Will man den Blick auf die gesamte Altstadt haben, dann müssten Bäume gefällt werden. Ob sich da jemand herantraut, obgleich es sich nicht um originalen Auwald sondern offensichtlich um von Menschenhand gepflanzte „Zierbäume“ handelt.

 

Doch das war nur eine Randnotiz. Die Architektin will den Menschen näher an die Donau bringen und den Fluss attraktiver machen. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es große Boote auf der Donau. Kieselbänke und flachere Uferstreifen, auf denen man fast auf Höhe des Wassers spazieren gehen konnten, luden zum Bade ein. Heute gibt es steile Uferböschungen und der Spaziergänger bewegt sich zumeist auf Wegen weit über der Wasseroberfläche.

 

Viele Einzelprojekte liegen derzeit der Verwaltung und dem Stadtrat zum Thema Donau vor. Die Studie fasst alle Ansätze zu einem Ganzen zusammen. Die Donaulandschaft soll eine Einheit mit einem hohen Maß an Identität und Wiedererkennungswert darstellen. Deshalb sollen verbindende Elemente wie ein nahe am Wasser verlaufender und besonders gekennzeichneter Weg – ein Donau Loop – geschaffen werden. Luitpoldpark und Klenzepark könnten Teile eines sich zwischen Staustufe und Bayernoilgelände erstreckenden „Stadtpark-Donau“ werden. Östlich der Autobahnbrücke könnte für Radwanderer ein Campingplatz am Nordufer entstehen.

 

Alfred Lehmann wollte sich auf lange Diskussionen über Visionen nicht einlassen, sondern drängte auf konkrete Umsetzungen. Schon bald können nach seiner Meinung der nah am Wasser entlang führende Weg, Renaturierungsmaßnahmen (zum Beispiel Schaffung von Seitenarmen mit Kiesbänken zwischen Schiller- und Autobahnbrücke) und erforderliche Gastronomieprojekte an beiden Seiten des Ufers in Angriff genommen werden. Bereits nach der Sommerpause werden dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Ökologie und Wirtschaftsförderung und dem Stadtrat entsprechende Vorlagen unterbreitet werden. Die Stadträte müssen dann entscheiden, ob und wie viel Geld sie in die Hand nehmen wollen, um die die Donau als ökologisch geprägten Erlebnisraum zu fördern.

Mehr Bilder und Informationen am Sonntag ab 18.00 Uhr unter www.espresso.in

 

 

 

 


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