Bierlager im Klinikum

(hk) Florian Erdle zog beim Herrnbräu-Starkbieranstich kräftig vom Leder. Fotos: Kastl

Bis auf den letzten Platz war die Schanzer Rutschn besetzt, als der Pfaffenhofener Stadtjurist Florian Erdle als Starkbierredner die Anwesenden "derbleckte". Zuvor hatte Oberbürgermeister Christian Lösel mit zwei Schlägen (und einem weiteren Sicherheitsschlag - meinte ein Medienvertreter) das erste Herrnbräu-Fass angezapft. Dann genossen die geladenen Gäste das Starkbier und ein ausgezeichnetes Essen, bei dem insbesondere der Kalbstafelspitz auf Kartoffelwurzelgemüse in den höchsten Tönen gelobt wurde. Zur Unterhaltung spielte die Hepberger Wirtshausmusi zünftig auf. 

Mit Ausnahme der Grünen waren alle relevanten politischen Parteien vertreten, auch die von Erdle als "Bürgergemeinheit" bezeichnete Bürgergemeinschaft, deren Fraktionsvorsitzender Christian Lange bei der namentlichen Begrüßung nicht gerade frenetisch gefeiert wurde. "Aber der Bonschab nimmt alles, damit der Saal voll ist" ätzte Erdle in Richtung des Herrnbräu-Geschäftsführers. 

Neben den Politkern bekamen auch die Medien "ihr Fett weg". Zum Verkauf des Donaukuriers merkte der Starkbierredner an, das sei die erste verlegerische Entscheidung des früheren Eigentümers Georg Schäff gewesen. Die espresso-Mediengruppe, insbesondere Blickpunkt wurden wegen angeblicher "Dauerhofberichterstattung" als "Rathaus-Bayernkurier" und der Verfasser dieses Artikels als "Pressesprecher" der Stadt bezeichnet. Dafür würde die Stadt wohl bezahlen. 

Doch hauptsächlich mussten die anwesenden Politiker den Spott über sich ergehen lassen. Robert Bechstädt wurde als Franz Liepold der CSU betitelt, der "es 2014 endlich auch einmal in diesen Stadtrat geschafft hat", was sich aber nicht rentiert habe. Ex-Stadtrat Paul Lindemann wurde vorgehalten, er sei immer beim Starkbieranstich da, ob er eingeladen sei oder nicht. 

Natürlich musste Oberbürgermeister Christian Lösel einiges aushalten. Seine (inzwischen aufgegebene) Beteiligung an einer Gewerbeimmobilie in Neuburg habe sich in der "Ruhrstraße" befunden. Da überrasche nicht, was bei einer solchen Beteiligung "hinten rauskomme", spielte Erdle auf eine Krankheit an. 

Natürlich wurden auch die Vorgänge am Klinikum thematisiert. Ex-Geschäftsführer Heribert Fastenmeier habe gemeint, er habe nichts gegen Vetternwirtschaft, so lange es in der Familie bleibe. Auch die Beschäftigung von Alfred Lehmanns Ehefrau im Klinikum, Lehmanns Kauf einer Wohnung im umgebauten Alten Krankenhaus und der Vorwurf der Bestechlichkeit wurden abgehandelt. Am Medientisch fanden nicht alle den Umgang Erdles mit Fastenmeier und Lehmann angemessen. Immerhin laufen hier staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren, bei denen nicht feststeht, ob sich beide strafbar gemacht haben. Der Applaus bei diesen Passagen der Rede war dann auch eher dünn. Die Lacher hatte Erdle auf seiner Seite, als er von "280 000 Flaschen, voll von Herrbräu-Bier im Klink-Lager" sang. Auch sein Hinweis, dass es jetzt 21 Prozent weniger Rindviecher in Ingolstadt gäbe, dies aber durch den Besuch von Markus Söder beim Zuckerrübenball ausgeglichen worden sei, erheiterte die Gäste. 

Zum Abschluss forderte Erdle, dass sich Stadträte, Klinikleute und die Audi Führungsriege beim zu errichtenden Institut für Wirtschaftsethik anmelden sollten, das im Georgianum entstehen soll.

 

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