Beim Espresso: Die Pressekonferenz – gnadenlos

(hk) Rache muss sein - meint nicht nur Marion Ruisinger und verspricht eine Peepshow.

Unverkennbare Rachegelüste prägten den Auftritt von Marion Ruisinger in der städtischen Pressekonferenz am Dienstag – Faschingsdienstag. Ziel ihrer dunklen Gedanken war aber nicht, was man an diesem Tag hätte erwarten können, der Stadtpressesprecher Gerd Treffer, sondern ein „Grenzgänger zwischen Sport, Medizin und Politik“ : der Medizinball. Ihm widmet sie im Deutschen Medizinhistorischen Museum ab dem 27. Februar eine eigene Ausstellung. Sie habe dieses Marterinstrument des Sportunterrichts gehasst, nie verstanden, was der Ball mit Medizin zu tun habe und wolle sich nun öffentlich rächen für die durch ihn erlittene Pein. 

„Als ich gelesen habe, dass der Medizinball tatsächlich aus dem amerikanischen Boxtraining kommt, da habe ich verstanden, warum ich damit nicht zurecht kam...Boxtraining ist einfach nichts für zarte Mädchen im Schulsport... Der Medizinball machte dann in der Weimarer Republik Karriere, als es darum ging, zu Zeiten, da die Wehrpflicht aufgehoben war, die männliche Bevölkerung wehrtüchtig zu machen und die weibliche gebärfähig; da habe ich nochmals festgestellt, dass der Ball nichts mit mir zu tun hat.“ 

Da Rache süß sein soll, spendierte Pressesprecher Gerd Treffer den anwesenden Journalisten Faschingskrapfen. Hinter vorgehaltener Hand wurde aber gemunkelt, dass er damit seinen gnadenlosen Terminkalender – Pressekonferenz am Faschingsdienstag mit den Themen "Medizinball" und "Deutsch-türkische Kulturolympiade" – eine menschliche Note verleihen wollte. Der gebürtige Münchner kennt, wenn es um die dienstägliche Pressekonferenz geht, kein Erbarmen, offenbart hier Züge preußischer Pflichterfüllung. Ein Teilnehmer meinte allerdings, die Terminierung an Tagen wie dem Faschingsdienstag sei Treffers Rache für unbotmäßige Berichterstattung. 

Übrigens: Der Herr der städtischen Nachrichten soll sich aus Burkina Faso, wo er mit einer Ingolstädter Delegation kürzlich weilte, einen seinem Status entsprechenden Häuptlingsstab mitgebracht haben. Doch dient dieser offensichtlich nicht nur der Repräsentanz trefferscher Machtfülle; aus dem Inneren des harmlos anmutenden Stabes taucht, wenn man ihn auseinander zieht, eine messerscharfe Klinge auf. Die Klinge zu kreuzen, davor scheut sich Gerd Treffer eben nicht. 

Fragen wurden in der Faschingskonferenz übrigens kaum gestellt: Nur ein Teilnehmer meinte, sich verhört zu haben, als Marion Ruisinger von einer „Peep-Show“ bei ihrer Ausstellung sprach. Sie bestätigte dem Zweifler diese Attraktion und erklärte ihm höchst vorsorglich, worum es dabei geht. Eine eigene Mitwirkung stellte sie nicht in Aussicht.

 

 

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