Frisch und unverpackt

(lb) Simon Stapf und Andreas Kuhn stellten beim Gründerpreis ihre Idee zu einem verpackungsfreien Supermarkt vor – im Herbst soll er in Ingolstadt eröffnen.

 

Supermärkte, die komplett auf Verpackungen verzichten gibt es bereits, aber noch nicht in Ingolstadt. Dort kann man seine eigenen Boxen mitbringen oder Gläser kaufen, diese wiegen und die Menge eines Produkts abfüllen, die man braucht. Simon Stapf hat nun mit zwei Kollegen ein Konzept für so einen verpackungsfreien Supermarkt in Ingolstadt entwickelt. Stapf arbeitet für ein Sozialunternehmen in München, die Idee zum Supermarkt kam ihm, als er das erste Mal alleine wohnte: „Da ist mir aufgefallen, wie viel Plastikmüll ich eigentlich jede Woche weg trag'. Dann hab' ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt, Videos zu der Müllverschmutzung in den Meeren gesehen und bin dann auch auf die verpackungsfreien Supermärkte gestoßen“. Er sprach darüber mit seinem Cousin Jan Lechky, der in Stuttgart als Einkäufer bei einem Druckunternehmen arbeitet und dessen Kindheitsfreund Andreas Kuhn, der in Donauwörth wohnt und bei der Forstverwaltung tätig ist. Beide waren von der Idee des Supermarkts begeistert.

Um sich näher über das Konzept zu informieren, besuchten Stapf und seine Kollegen einige verpackungsfreie Läden in Deutschland und unterhielten sich mit den Inhabern. Im Oktober letzten Jahres fassten sie endgültig den Entschluss, ihren eigenen Supermarkt zu eröffnen. Auf den Ingolstädter Gründerpreis stießen sie zufällig. „Uns war sofort klar, dass wir das machen, so kriegt die Idee gleich Aufmerksamkeit“, so Andreas Kuhn. Dort hatten im Februar verschiedene Jungunternehmer jeweils zwei Minuten Zeit, ihre Idee anhand eines Businessplans vorzustellen. Die Gewinner dürfen sich über ein Preisgeld freuen. Derzeit befinden sich die Gründer in der Planungsphase, telefonieren jeden Abend miteinander und treffen sich so oft es geht. Im Herbst wollen sie full time in das Projekt einsteigen und den Laden auch eröffnen. In Ingolstadt wollen sie ihren 80 bis 100 m² großen Laden am liebsten in der Donaustraße eröffnen, dort gäbe es noch nicht so viele Einkaufsmöglichkeiten. „Er soll einen Impuls für's Stadtzentrum geben und eine Einkaufsmöglichkeit für den Süden bieten“, sagt Stapf.

Auch privat achten die Gründer stark darauf, auf Plastikverpackungen zu verzichten. „Man muss sich dran gewöhnen. Das geht nicht von heute auf morgen“, sagt Stapf, der größtenteils unverpackte Produkte einkauft. Sein Kollege Kuhn hat während seines Studiums in Freising oft einen Bauern besucht, bei dem man jederzeit frische Milch in der Pfand-Glasflasche kaufen konnte. Auch ihr eigener Supermarkt soll, wie beim Bauern um die Ecke, auf Regionalität und persönlichen Kontakt Wert legen. Die Ingolstädter Kaffeerösterei „District V“ ist bereits als Kaffeelieferant dabei. Alles soll so regional und biologisch wie möglich sein, aber trotzdem nicht zu teuer. „Wenn ich als Student im Reformhaus oder im Bioladen einkaufen war, musste ich schon überlegen, was ich kauf', weil dort alles ziemlich teuer ist. Wir wollen diese hochwertige Qualität auch den Leuten bieten, die nicht so viel verdienen“, sagt Kuhn. „Natürlich gibt es Produkte wie Quinoa, die man nicht im Ingolstädter Raum findet, aber wo es geht, wollen wir auch regionale Lieferanten finden“, so Stapf. Das Haltbarkeitsdatum und den Namen des Bauern oder Lieferanten, von dem das Produkt kommt, wird wahrscheinlich ein QR-Code verraten. Auch auf ihrer Internetseite kann man sich dann über die Produkte informieren.

Zudem wird es bei bei ihnen etwas geben, was den anderen verpackungsfreien Läden noch fehlt: die Möglichkeit, Produkte vorzubestellen, sodass man sie am nächsten Tag nur noch abholt und sich bei wenig Zeit nicht mit abfüllen und wiegen aufhalten muss. Wer das Projekt unterstützen will, kann sich durch Crowdfunding daran beteiligen und es finanziell unterstützen. Als Dankeschön gibt es Gutscheine und Gegenleistungen, wie beispielsweise ein Starter-Set für den ersten unverpackten Einkauf. Ihre zukünftige Kundenzahl sehen die Gründerkollegen realistisch: „Man kann natürlich nicht alle erreichen. Es wird feste Stammkunden geben und andere, die nur neugierig auf das Konzept sind. Jedoch hoffen wir so viele Leute wie möglich mit unserem Laden zu begeistern.“

Am 26. April fällt dann die Entscheidung beim Gründerpreis. Davon abhängig machen sie das Konzept aber nicht: „Uns würde es natürlich freuen, wenn wir den Gründerpreis gewinnen - wir packen die Sache aber auch ohne an“, so Stapf.

 

 

 

(Bild: Andreas Kuhn, Jan Lechky und Simon Stapf (von links).) 

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