Wo die Schanzer einst zu Schanzern wurden

(ma) Die Ausgrabungen auf dem Ingolstädter Gießereigelände erlauben einen Einblick in die wechselvolle Geschichte der Landesfestung Ingolstadt. Erste Ergebnisse und Erkenntnisse - inklusive der „Schanzer Ur-Schubkarre“- sind jetzt im Rahmen einer Tagung, an der jeder Interessierte teilnehmen konnte, vorgestellt worden.

 

„Für die Archäologen ist es nicht ungewöhnlich in Ingolstadt auf Festungsreste zu stoßen,“ erklärte Dr. Ruth Sandner vom Landesamt für Denkmalpflege. Doch das Gießereigelände sei auch für die Archäologen etwas Besonderes – allein schon wegen seiner Größe und der landesgeschichtlichen Bedeutung des Ortes.

 

Ruth Sandner war eine von zahlreichen Referenten, die sich im Rahmen der Tagung mit dem beschäftigten, was sich im Boden des Gießereigeländes versteckt. So wurde ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt, der wohl zur Direktorenvilla der Gießerei gehörte, aber auch Reste mittelalterlicher Befestigungen. Der Dreißigjährige Krieg hat hier genauso seine Spuren hinterlassen wie die Truppen Napoleons. Unter Ludwig I. wurde der Ausbau der Festungsanlagen zum teuersten Projekt seiner königlichen Hoheit, das Gießereigelände erlebte später den Wandel hin zum Industriezeitalter mit. Und jede Generation hat ihre Spuren hinterlassen.

 

 

Im Winter 2010/11 haben die Grabungsarbeiten begonnen, ein Teil des Areals ist inzwischen wieder bebaut, so befindet sich das Forschungszentrum Carissma auf den Überresten der Fronte Raglovich. Überbleibsel der Renaissance-Festung sind der Congressgarage gewichen, über die Reste der Eselbastei und die Nutzung des Kavalier Dallwigk und des – relativ jungen – Wasserturms wird bekanntermaßen noch diskutiert. Währenddessen „buddeln“ und dokumentieren die Archäologen fleißig weiter.

 

„Wenn man die Dauer betrachtet, dann übertrifft die Grabung auf dem Gießereigelände alles bisher da Gewesene in Ingolstadt,“ erklärte Dr. Gerd Riedel, „Und es ist ja noch nicht zu Ende, sondern geht unter und neben der Gießereihalle weiter.“ Deswegen ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass noch weitere Fundstücke aus der Grabung bei ihm im Stadtmuseum landen. Gerd Riedel ist in diesem Fall schließlich der „Hüter der Schätze“, die hier ans Tageslicht geholt worden. Spektakulärster Fund war eine Schubkarre aus dem 16. Jahrhundert - die vermutlich älteste Schubkarre Deutschlands! „Das ist sozusagen die Schanzer Ur-Schubkarre,“ freut sich Gerd Riedel. Der Fund aus dem 16. Jahrhundert hat das Zeug zum „Kultobjekt“, schließlich handelt es sich hier um das Schanzer Werkzeug schlechthin. Derzeit wird die historische Schubkarre in Konstanz restauriert und Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres fertig.

 

 

Dass man auf einem Gelände, das über Jahrhunderte militärisch genutzt wurde, etliches an (unscharfer) Munition gefunden hat, liegt auf der Hand. Aber auch Alltagsgegenstände wie Tabakpfeifen oder Kinderspielzeug wurden entdeckt. Die Aufgabe der Wissenschaft ist es nun, daraus mehr über den Alltag der Menschen heraus zu finden, die einst hier gelebt und gearbeitet haben. Bis alles erfasst und ausgewertet ist, wird es noch eine ganze Weile dauern. Zwischenzeitlich kann man sich von der Festung ein Bild mit Hilfe eines 3D-Modells und einer „Virtuellen Landesfestung“ machen, die im Rahmen der Tagung vorgestellt wurden.

 

Fotos: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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