"Eine ganz wichtige Entwicklung"

(sr) Darauf haben viele Katholiken gewartet: Wieder verheiratete Geschiedene dürfen an der Kommunion teilnehmen. In dem im Februar 2017 veröffentlichten Hirtenwort der katholischen Bischöfe heißt es aber, dies hänge vom Einzelfall und einer Gewissensentscheidung ab. Der zuständige Seelsorger soll den Gläubigen dabei begleiten. Wie das in der Praxis aussieht, erklärt Matthias Blaha, Pfarrer von St. Anton in Ingolstadt. 

Niemanden ausgrenzen und niemanden auf Dauer verurteilen, dafür plädierte Papst Franziskus in "Amoris Laetitia" im März 2016. Pfarrer Matthias Blaha, der sich im Einklang mit Papst Franziskus sieht, hält die Kommunions-Erlaubnis für Wiederverheiratete für eine "ganz wichtige Entwicklung". 

Im Video-Interview bezieht sich Pfarrer Matthias Blaha auf das Apostolische Schreiben "Evangelii Gaudium des Heiligen Vaters Papst Franziskus" vom November 2013. Das Schreiben ging weltweit an Bischöfe, Priester, Diakone, Personen geweihten Lebens sowie christgläubige Laien. Wörtlich heißt es darin:

Die Kirche ist berufen, immer das offene Haus des Vaters zu sein. Eines der konkreten Zeichen dieser Öffnung ist es, überall Kirchen mit offenen Türen zu haben. So stößt einer, wenn er einer Eingebung des Geistes folgen will und näherkommt, weil er Gott sucht, nicht auf die Kälte einer verschlossenen Tür. Doch es gibt noch andere Türen, die ebenfalls nicht geschlossen werden dürfen. Alle können in irgendeiner Weise am kirchlichen Leben teilnehmen, alle können zur Gemeinschaft gehören, und auch die Türen der Sakramente dürften nicht aus irgendeinem beliebigen Grund geschlossen werden. Dies gilt vor allem, wenn es sich um jenes Sakrament handelt, das "die Tür" ist: die Taufe. Die Eucharistie ist, obwohl sie die Fülle des sakramentalen Lebens darstellt, nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen. Diese Überzeugungen haben auch pastorale Konsequenzen, und wir sind berufen, sie mit Besonnenheit und Wagemut in Betracht zu ziehen. Häufig verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre Förderer. Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.   

Fotos und Video: Sabine Roelen 

 

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