Eine Woche ohne

(ma) Oliver Scholtyssek und sein Experiment des "Strom-Fastens".

 

Kaffeemaschine, Smartphone, Kühlschrank, Heizung, Fernseher, Waschmaschine … im Leben eines modernen Menschen geht fast nichts ohne Strom. Ob man eine e-freie Woche überstehen kann, hat nun Radio IN Redakteur Oliver Scholtyssek eine Woche lang  getestet.

 

Der Tag hat zwar auch im Leben eines stromlosen Zeitgenossen 24 Stunden, aber nicht die Uhr gibt den Takt an, sondern die Natur. „Wenn es dämmert, werde ich wach und wenn es dunkel wird, geh ich ins Bett“, erklärt Oliver Scholtyssek. Sein Tagesablauf hat sich dadurch durchaus verändert: fünf Uhr Aufstehen und Bettruhe um 21 Uhr waren angesagt. „Dabei habe ich gemerkt, dass ich richtig gut durchschlafe. Der Wecker (ohne Stromanschluss) hat trotzdem nur ein einziges Mal geklingelt. Man erwacht irgendwie mit der Welt.“ Schnell hat Oliver Scholtyssek festgestellt, dass dieses Experiment nicht nur ein bloßes Verzichten bedeutete. „Man macht im Kopf einen Schritt zurück und verliert irgendwie das Zeitgefühl,“ meint er.

 

 

Hausarbeit, die müsse man unbedingt bei Tageslicht erledigen, denn „am Abend hast Du keine Chance.“ Lediglich der Blick auf die Turmuhr am Münster hat ihm zwischendurch verraten, wie spät oder früh es eigentlich ist. Überhaupt: Die zeitlichen Dimensionen verschoben sich bei diesem Experiment. Was man mit Strom in wenigen Minuten erledigt, dauert jetzt deutlich länger. Am deutlichsten wurde das Oliver Scholtyssek beim Wäschewaschen, das er versuchsweise in das Bauerngerätemuseum in Hundszell verlegt hatte, um die Wäsche wie anno dazumal sauber zu bekommen. Puh. Was für ein Aufwand.

 

Urlaubsantrag auf Opas Schreibmaschine

 

Ein echtes Aha-Erlebnis wurde für den Redakteur die Kaffeezubereitung. Nachdem die klassische Kaffeemaschine stillgelegt worden war, griff er zu Kaffeemühle (80 Jahre alt), Kaffeekocher und Gaskocher. Das war zwar aufwändiger als bisher, aber: „Das war der beste Kaffee, den ich je gemacht habe!“ Das Austüfteln von Alternativen zu den Strom betriebenen Geräten erforderte Kreativität. Und manchmal halfen auch Gerätschaften, die eigentlich ausgemustert waren, wie die Schreibmaschine seines Großvaters. Auf der tippte Oliver Scholtyssek seinen Urlaubsantrag. Ohne Korrekturmöglichkeit, aber er wurde trotzdem genehmigt.

 

 

 

Die Freizeitgestaltung (wobei die Freizeit dank täglicher Nahrungsbeschaffung und längerer Hausarbeitszeiten deutlich begrenzt war) beschränkte sich ebenfalls auf Vergnügungen ohne Elektrizität. Und so kamen Brettspiele, Bücher und Musikinstrumente zum Einsatz. Den Plan, sich während der stromlosen Zeit das Ukulele-Spielen beizubringen, musste der Ingolstädter aber fallen lassen. Abends wurde er einfach zu schnell zu müde. Sein Fazit: „Dieses Experiment war für mich wie mentales Entschlacken. Ich genieße es jetzt wieder, in Ruhe ein Buch zu lesen. An was ich mich allerdings nicht gewöhnen könnte, ist das kalte Duschen.“

 

Videos und mehr zur Stromfastenaktion von Oliver Scholtyssek finden Sie unter www.radio-in.de

 

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