Frauen unterwegs

(sr) Knapp 60 Frauen und zwei Männer besuchten beim 2. Ingolstädter Frauenpfad drei Ingolstädter Museen.

8. März, Internationaler Tag der Frau: Anja Assenbaum und Barbara Deimel, die beiden Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Ingolstadt, hatten an diesem bedeutsamen Datum zum 2. Ingolstädter Frauenpfad eingeladen - und ganz viele wollten mit. "Wir konnten leider nicht alle Anmeldungen berücksichtigen, so groß war die Resonanz", sagte Anja Assenbaum. Um so glücklicher waren die Frauen, die mit auf den Rundgang durch drei städtische Museen gehen durften: ins Museum für Konkrete Kunst, ins Stadtmuseum und ins Deutsche Medizinhistorische Museum. Alle drei Musentempel werden von Frauen geleitet und gewährten dank ihrer Chefinnen am Internationalen Frauentag jeweils einen frauentypischen Einblick in ihr Haus. Das ließen sich auch die beiden Stadträte Markus Meyer (CSU) und Henry Okorafor nicht entgehen.

Bei der Begüßung im Museum für Konkrete Kunst wies Barbara Deimel auf die Bedeutung des Internationalen Frauentags hin, der in diesem Jahr zum 106. Mal stattfindet. Dies sei ein wichtiges Datum weltweit, denn für den Weltfrieden sei auch Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau erforderlich. Dr. Theres Rohde, Kuratorin des Museums für Konkrete Kunst, erklärte spannende Aspekte der aktuellen Schau "Logo. Die Kunst mit dem Zeichen" unter dem weiblichen Blickwinkel „Frauen, na logo? Die Rolle der Frauen in der Ausstellung“. Logo-Gestaltung sei zwar eine Männer-Domäne, aber das Museum für Konkrete Kunst bestehe aus zwölf Mitarbeiterinnen und einem technischen Leiter, also eine "Frauengeschichte".

Dr. Beatrix Schönewald, Leiterin des Stadtmuseums, präsentierte der Besuchergruppe anhand zahlreicher Beispiele einen Einblick in die „Zeit der Frauen“. Die Gäste erfuhren, dass Anne de Bourbon (geboren um 1380), die erste Ehefrau Herzog Ludwigs VII. von Bayern-Ingolstadt, Isabeau de Bavière (geboren um 1370), die Tochter Herzog Stephans III. von Bayern-Ingolstadt, und Argula von Grumbach (geboren 1492), protestantische Publizistin und Reformatorin, sehr frühe starke Frauen waren. Nach dem Besuch des "Mahnmals für die Opfer des Nationalsozialismus" zeigte Schönewald das Zugpferd des Stadtmuseums: das Bernstein-Collier, eine "absolute Sensation".  

Die letzte Station des 2. Ingolstädter Frauenpfads war das Deutsche Medizinhistorische Museum. Prof. Dr. Marion Ruisinger referierte ebenso unterhaltsam wie fachkundig über das Thema „Die schwere Geburt“. Die Besucherinnen und die beiden Besucher (die bis zum Schluss durchgehalten hatten) erfuhren, dass Geburten in früheren Jahrhunderten reine Frauensache waren. "Da war damals kein Mann dabei", so die Museumsleiterin. Und nach erfolgreichen Geburten im Gebärstuhl habe es "gefürchtete Wochenbettfeiern" unter Frauen gegeben. Weniger erfreulich waren schwere Geburten, bei einer Querlage des Kindes zum Beispiel. Eine besonders selbstbewusste Frau mit "Verstand und geschickter Hand" sei Justine Siegemundin (geboren 1636) gewesen, berichtete Ruisinger. Die Hebamme am brandenburgischen Hof habe nicht nur das erste deutsche Lehrbuch für Hebammen veröffentlicht, sondern auch mit einem sogenannten "Wendestäbchen" ungeborene Kinder im Bauch der Mutter in eine günstige Geburtslage drehen können. Noch heute sei der "Handgriff der Siegemundin" ein Begriff.    

Nach diesen umfassenden Informationen war die Besuchergruppe zu einem kleinen Imbiss ins Café hortus medicus im Deutschen Medizinhistorischen Museum eingeladen. Bei Häppchen, Getränken und angeregten Gesprächen klang der 2. Ingolstädter Frauenpfad gemütlich aus.


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Fotos: Sabine Roelen

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