Bayerns schaurigstes Verbrechen

(ma) Grauenhaft und gleichzeitig faszinierend. Das war und ist der sechsfache Mord von Hinterkaifeck aus dem Jahr 1922. Dieses Verbrechen „hat die Region nicht mehr los gelassen“, erklärte Dr. Ansgar Reiß (Bild links) bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Mythos Hinterkaifeck“. Der Direktor des Bayerischen Armeemuseums und damit auch „Boss“ des Polizeimuseums im Turm Triva begrüßte an einem herrlichen Tag zahlreiche Gäste, die sich des sehr düsteren Ausstellungsthemas mit größtem Interesse angenommen haben. Unter den Besuchern waren auch etliche Mitglieder der Internetplattform www.hinterkaifeck.net – und das nicht ohne Grund. Zum ersten Mal hat das Museum eine Ausstellung nicht mit anderen Wissenschaftlern, sondern eben mit einer Online-Community konzipiert: „Das Ergebnis ist faszinierend“, meinte Reiß. Und er stellte klar, dass man in dieser Sonderschau den Blickwinkel der Polizei eingenommen haben (schließlich befindet man sich ja im Polizeimuseum) und dass auch in dieser Ausstellung der Fall nicht gelöst wird. „Aber es ist bisher nicht gelungen, allen Opfern ein Gesicht zu geben. Vielleicht gelingt uns das nun.“ Sollte der ein oder andere Zeitgenosse noch etwas zu dem Fall beitragen können, gerne! Vor Ort wurde jedenfalls beim ersten Rundgang schon fleißig diskutiert. „Der Schlittenbauer ist bis heut verdächtig“, hörte man manch einen murmeln. Wer die sechs Hofbewohner 1922 ermordet hat, ist bis heute nicht geklärt.

 

 

 

Für Gästeführerin Maria Weibl, die regelmäßig Besucher zum Original Schauplatz des Verbrechens führt (liegt im Gemeindebereich Waidhofen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen), kommt kein Ortsansässiger und auch nicht der oft genannte Lorenz Schlittenbauer als Täter in Frage. Womöglich steckte eine Affäre der Viktoria Gabriel dahinter. Auch einen Raubmord hält sie für unwahrscheinlich, denn auf dem Hof seien u.a. 100 000 Mark gefunden worden. So einen „Fang“ hätte ein Raubmörder wohl mitgenommen. „Für mich stecken Waffengeschäfte hinter alle dem“, meint Maria Weibl. Wie sonst wäre der plötzliche Reichtum des an sich nicht sonderlich ertragreichen Hofs zu erklären. Die Tat sei für sie kein geplanter Mord gewesen, sondern im Affekt geschehen. Der Täter habe sich schließlich in einen Blutrausch gesteigert und deshalb auch den zweijährigen Josef brutalst erschlagen.

 

 

 

Eine Nachbildung der Mordwaffe, eine Reuthaue, ist in der Ausstellung zu sehen. „Im Original war die Schraube am oberen Ende der Haue deutlich länger heraus gestanden,“ erklärte Maria Weibl,„damit hat man früher die Schweine durch einen gezielten Schlag betäubt.“ 1922 setzte genau so ein gezielter Schlag dem Leben der Viktoria Gabriel ein Ende. Die Tatwaffe wurde im Übrigen erst beim Abriss des Hofes ein Jahr nach dem Verbrechen entdeckt. Und das ist nur eine der unglaublichen, kuriosen und auch schrecklichen Tatsache, von denen in dieser Sonderausstellung die Rede ist.

 

 

Skurril wurde es, als die Polizei die Hellseherin „Fräulein Bü“ zu Rate zog, um den Fall aufzuklären. Ihr wurden die Totenschädel präsentiert, damit sie zur Aufklärung beitrage. Der Schauspieler Winfried Frey las bei der Ausstellungseröffnung aus dem Protokoll vor, das die „Seance“ mit Fräulein Bü beschreibt:

 

 

Im Jahr 1955 wurden die Ermittlungen zum Mordfall Hinterkaifeck eingestellt. Legenden, Geschichten, Gerüchte gibt es bis heute. Und denen kann man ab sofort im Polizeimuseum auf den Grund gehen.

 

Bayerisches Polizeimuseum im Turm Triva im Ingolstädter Klenzepark

 

Öffnungszeiten:
Di-Fr     9.00 bis 17.30 Uhr
Sa-So 10.00 bis 17.30 Uhr

 

Mehr:

www.armeemuseum.de

www.hinterkaifeck.net

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