Eine selbstständige Frau

(hk) Ein Gespräch mit der Gastronomin und Politikerin Jutta Herzner-Tomei zum Tag der Frau

 

Die gebürtige Ingolstädterin Jutta Herzner-Tomei, eine waschechte Schanzerin, wie sie betont, wurde 1956 im alten Krankenhaus in der Innenstadt geboren. Seit 2008 ist sie Mitglied der FDP, wurde inzwischen Landesvorsitzende des Liberalen Mittelstandes und stellvertretende Landesvorsitzende der Liberalen Frauen sowie stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Bayern der Polizei. Zusammen mit ihrem Mann Claudio ist sie Inhaberin der Pizzeria "Michelangelo" in Ingolstadt, einem Lokal das seit 1983 mit großem Erfolg betrieben wird. Beim Bayerischen Hotel und Gaststättenverband in Ingolstadt amtiert Herzner-Tomei als stellvertretende Vorsitzende und bei IN-City als dritte Vorsitzende.

 

Frau Herzner-Tomei, was bedeutet für Sie der Tag der Frau?

 

Das bedeutet für mich, dass sich die Frauen immer mehr durchsetzen, im Beruf immer erfolgreicher werden. In diesem Zusammenhang möchte ich aber erwähnen, das ich ein Gegner der so genannten Frauenquote bin. Wir Frauen können uns selbst durchsetzen und das sollten wir stolz und selbstbewusst nach außen tragen. Wir brauchen keine Quote! Die von der Politik eingeführte Quote gilt ohnehin nur für DAX-Unternehmen und betrifft gerade mal eine Hand voll Frauen.

 

Wie sind Sie zur Gastronomie gekommen?

 

Eigentlich habe ich eine Ausbildung als medizinisch-technische Assistentin erfolgreich absolviert. Ich war in diesem Beruf zunächst auch tätig. 1980 habe ich dann meinen Mann kennengelernt. Er war Koch in einem italienischen Lokal in Ingolstadt in der Proviantstraße. Wir haben dann 1981 geheiratet; kurz vor der Hochzeit haben mein Mann und ich das Lokal, in dem mein Mann arbeitete, erworben und selbst geführt. Von der Proviantstraße sind wir dann in die Ziegeleistraße und von dort in die Theodor-Heuss-Straße umgezogen.

 

Wer ist bei Ihnen im Lokal der Chef?

 

Mein Mann (Jutta Herzner-Tomei lächelt dabei). Aber wenn man im Lokal nach der Geschäftsführung fragt, wird zunächst einmal ihr Name genannt. Das liegt daran, weil mein Mann zumeist in der Küche am Herd steht. Ich habe halt mehr Kontakt mit den Gästen. Aber ich lege keinen Wert darauf, als Chefin tituliert zu werden.

 

Tut man sich als Frau schwerer, Chefin zu sein?

 

Manche Männer haben schon ein Problem, wenn die Chefin eine Frau ist. Das ist besonders auffällig, wenn Männer aus einem Land kommen, in dem die Frau nicht so viel zu sagen hat. Sie müssen dann erst umdenken. Bald begreifen sie aber, dass es in Deutschland und bei uns im Betrieb anders läuft.

 

Was empfehlen Sie einer jungen Frau, die vor der Berufswahl steht?

 

Dass sie Mut hat, sich nicht von Klischees abschrecken lässt, im Endeffekt hat sich Qualität immer noch durchgesetzt. Und die haben wir Frauen ja in hohem Maß zu bieten. Junge Frauen sollten selbstbewusst vorangehen.

 

Fühlen Sie sich als Frau in der Gesellschaft und im Beruf noch benachteiligt?

 

Ein klares Nein!

 

Warum sind Sie als tüchtige Frau, die ohnehin kaum Freizeit hat, in die Politik gegangen?

 

Ich habe gemerkt, dass man auch hier selbst aufstehen und sich engagieren muss.

 

Sie sind in der Politik im Bereich Mittelstand und Frauen tätig, leiten aber auch als Stellvertreterin den Arbeitskreis Polizei. Wie sind Sie denn darauf gekommen?

 

Ich kenne selbst persönlich sehr viele Polizisten. Und vielleicht ist es einmal ganz gut, wenn jemand der nicht Beamter, sondern selbstständig ist, sich mit der Polizei und deren Problemen befasst. Gerade in Ingolstadt fehlen uns zahlreiche Polizisten, die für die Aufrechterhaltung der Sicherheit in der Innenstadt erforderlich wären.

 

Nun kandidieren Sie als Landrätin und Kreisrätin für die FDP im Landkreis Eichstätt und nicht in Ingolstadt. Das überrascht doch.

 

Seit 1983 haben meine Eltern und ich ein Haus in Gungolding. Der Landkreis Eichstätt ist mir daher schon lange vertraut. Die Eichstätter FDP hat mich gebeten, für sie anzutreten. Ich fühle mich in diesem Kreisverband sehr wohl und habe die Aufgabe gern übernommen.

 

 

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